08:19 Uhr | Dienstag, 20. August 2002

Internet

Frischluft für Internetsurfer

Öffentliche, drahtlose Internetzugänge, genannt Hotspots, laden zum Surfen unter freiem Himmel ein. Was erst vereinzelt genutzt wird, soll künftig allgegenwärtig sein.

Von Roger Zedi

Badehosen hatten bisher nur im sportlichen Kontext etwas mit Surfen zu tun. Das könnte sich bald ändern, denn das Surfen im Internet ist nicht länger an geschlossene Räume gebunden, sondern findet vermehrt im Freien statt und macht auch vor Zürcher Badis keinen Halt. So genannte Hotspots (dt. «heisse Punkte») machen es möglich. Ein Hotspot ist nichts anderes als ein drahtloses, lokales Netzwerk (WLAN), wie es auch in Firmen oder zu Hause eingesetzt wird. Das Besondere am öffentlichen Hotspot ist, dass jeder, der sich im Empfangsbereich aufhält, sich per WLAN ins Internet einklinken kann. Alles, was es dazu braucht, ist ein mit einer WLAN-Karte ausgerüstetes Laptop und das Passwort für den entsprechenden Hotspot. Erste PDAs, die sich mit WLAN verstehen, gibt es auch schon.

Schnell und günstig

Hotspots sind relativ günstig einzurichten, wie Markus Lerch von der Netzwerkfirma Air2web bestätigt. Diese hat auf dem Lindenhof einen Hotspot im Rahmen eines unbefristeten Feldversuchs eingerichtet, der alle zum gratis Surfen einlädt. Der Aufwand für Hardware, Software und ADSL-Anschluss liegt unter 5000 Franken. Eine WLAN-Karte für das Laptop kostet rund 100 Franken, neuere Modelle haben die Technologie bereits integriert.

Die Hotspots erlauben unter optimalen Bedingungen ein recht gutes Surftempo von 11 Mbit/s, sind also um ein vielfaches schneller als ein GSM- und sogar als ein künftiges UMTS-Handy. Allerdings teilen sich mehrere User im Empfangsbereich die Bandbreite, was das Tempo für den Einzelnen wieder reduziert. Die WLAN-Antennen haben eine Reichweite von rund dreissig bis fünfzig Metern, deshalb wird ein flächendeckendes Hotspotnetz wohl kaum je Realität. Dennoch gilt WLAN heute schon als grosse Konkurrenz von UMTS. Die Strahlung ist übrigens zwanzigmal kleiner als die eines Handys, womit kaum Bedenken bezüglich Elektrosmog aufkommen.

Badehosen und Laptop

In und rund um mehrere Züricher Badis läuft noch bis Ende Oktober die Surftrophy. Die Firma Monzoon hat hier mit der Unterstützung diverser Sponsoren, darunter auch der «Tages-Anzeiger», dreizehn Hotspots eingerichtet. Der Zugang ist gratis, und jeden Samstag winken den Benutzern diverse Preise.

Der Einfachheit halber wurde auf Verschlüsselungssoftware, die zusätzlich auf jedem Laptop hätte installiert werden müssen, verzichtet. Das Websurfen im Hotspot ist also nicht hundertprozentig abhörsicher. Wer allerdings seine Mails übers Web liest oder online einkauft, der befindet sich im Normalfall bereits auf einer verschlüsselten Website und braucht sich deshalb auch im Hotspot keine Sorgen zu machen. Diesbezügliche Kundenbedenken sind bisher weder zu Air2web noch zu Monzoon vorgedrungen.

Ein Besuch auf dem «Bauschänzli» neben der Frauenbadi bestätigt zwar, dass die Technik funktioniert, offenbart aber auch, dass die Hotspots bisher mehr Insidertipp als Massenphänomen sind. Unser Laptop empfängt auf Anhieb das lokale Funksignal, und mit minimalem Aufwand sind wir im Internet. Allerdings sind zumindest während unseres Besuchs an einem Mittwochnachmittag die einzigen Nutzer in Sicht. «Die meisten User haben wir über Mittag und von fünf bis sieben Uhr am späten Nachmittag», verrät uns Jens Brander von Monzoon. Darunter sind nach seinen Angaben alle möglichen Leute vom Computerkid über Studenten bis hin zu Managern. Rund 60 aktive Benutzer haben sich in den ersten zwei Wochen der Surftrophy ins Netz eingeklinkt, knapp 250 Leute haben sich bereits eine User-ID und ein Passwort besorgt. Das sind zwar erst wenige, doch gegenüber dem letztjährigen Versuch mit einem Hotspot am See ist dies bereits eine Verdoppelung der Teilnehmer. Entsprechend zufrieden gibt sich Brander mit dem bisherigen Verlauf der Surftrophy und deutet bereits an, dass im nächsten Jahr weitere Schweizer Städte miteinbezogen werden könnten.

In vier Jahren sollen über 20 Millionen Europäer in Hotspots ihre E-Mails abrufen oder auf dem Web surfen, wie eine britische Studie prognostiziert. Den Löwenanteil der drahtlosen Surfer wird man allerdings entlang den Trampelpfaden von Geschäftsleuten an Flughäfen, in Hotels oder Cafés antreffen und weniger in Parks und Badeanstalten.

Bisher schwer zu finden

Gründe für die vorerst bescheidenen Benutzerzahlen gibt es verschiedene. Der Surftrophy wenig geholfen hat das schlechte Wetter und der geringe Bekanntheitsgrad. Ausserdem nennt erst eine Minderheit der Laptopbesitzer eine WLAN-Karte ihr Eigen, was den Kreis der potenziellen Teilnehmer weiter einschränkt. Generell sind Hotspots nicht leicht zu finden. Ein vollständiges, aktuelles Verzeichnis der Hotspots in Zürich unterhält bisher leider niemand. Für das Ausland findet man bereits entsprechende Websites, die einem anzeigen, wo man mit seinem Laptop auf öffentlichem Grund oder in Cafés drahtlos surfen kann. Somit bleiben die Zürcher Hotspots bis auf weiteres vor allem auf Mundpropaganda angewiesen.

Die Surftrophy läuft noch bis Ende Oktober, alle Infos dazu auf:
http://www.surftrophy.ch/


Infos zu weiteren Hotspots in Zürich:
http://www.air2web.ch/ http://www.tibidabo.ch/


Internationale Hotspotverzeichnisse:
www.mobileaccess.de/wlan
http://www.openhotspots.net/
http://www.80211hotspots.com/


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